Mobilität · Stadtleben · Landleben

Ein Tag ohne Auto: Wie gut kommt man durch die eigene Stadt?

Ein Selbstversuch mit Bus, Fahrrad und zu Fuß zeigt, wie alltagstauglich die Mobilität in einem Ort wirklich ist.

01. August 2026 · CRITICITY

Regionalbus an einer ländlichen Haltestelle mit wartendem Radfahrer

Ob ein Ort gut angebunden ist, steht nicht immer im Fahrplan. Man merkt es spätestens dann, wenn das eigene Auto einmal stehen bleibt. Ein Tag ohne Auto ist deshalb ein ziemlich ehrlicher Test für die Lebensqualität eines Ortes.

Der Test beginnt vor der Haustür

Für den Selbstversuch werden drei typische Wege ausgewählt: zur Arbeit oder Schule, zum Einkauf und zu einem Termin am Abend. Gemessen werden nicht nur die Minuten bis zum Ziel, sondern auch Umstiege, Wartezeiten, Kosten und die Frage, wie viel Planung notwendig ist.

In einer Großstadt kann der Weg überraschend einfach sein – oder an einer Baustelle scheitern. Auf dem Land ist der Bus vielleicht pünktlich, fährt aber nur zweimal am Tag. Das Deutschlandticket kostet seit Januar 2026 monatlich 63 Euro und gilt bundesweit im Nah- und Regionalverkehr. Die Bundesregierung fasst die wichtigsten Regeln zusammen. Das Ticket allein sagt aber noch nichts darüber aus, ob tatsächlich eine Verbindung existiert.

Mobilität ist mehr als Geschwindigkeit

Ein guter Weg ist nicht automatisch der schnellste. Wer sicher mit dem Fahrrad fahren kann, einen barrierefreien Bahnhof erreicht oder abends noch nach Hause kommt, erlebt seinen Wohnort anders als jemand, der auf das Auto angewiesen ist.

Interessant sind deshalb die Lücken: Gibt es keinen Bus nach 20 Uhr? Endet der Radweg plötzlich? Fehlt eine Sitzgelegenheit an der Haltestelle? Solche Details machen aus einer theoretisch guten Verbindung eine praktische oder unpraktische.

Was würde sofort helfen?

Am Ende des Tages sollte eine kleine Liste stehen: Was funktioniert bereits, wo wird Zeit verloren und welche Verbesserung wäre mit überschaubarem Aufwand möglich? Ein Rufbus, sichere Fahrradständer, bessere Anschlüsse oder eine beleuchtete Haltestelle können mehr bewirken als ein großes Zukunftsversprechen.

Wie würde dein eigener Tag ohne Auto aussehen? Der aussagekräftigste Vergleich beginnt direkt vor der eigenen Haustür: Welche Wege funktionieren zu Fuß, mit dem Fahrrad oder dem Bus – und an welcher Stelle wird das Auto plötzlich alternativlos?

Der erste Weg ist meistens der aufschlussreichste

Morgens zeigt sich, ob ein Verkehrssystem auf den Alltag vorbereitet ist. Kommt der Bus pünktlich? Ist der Bahnhof zu Fuß erreichbar? Muss man eine viel befahrene Straße überqueren, um zur Haltestelle zu gelangen? Gerade kurze Wege werden häufig unterschätzt. Wenn der Weg zur Haltestelle unangenehm oder unsicher ist, fällt die Entscheidung für das Auto oft schon vor der eigentlichen Fahrt.

Ein guter Test dokumentiert deshalb auch die letzten 500 Meter. Ein Bus kann eine gute Verbindung anbieten, aber wenn der Gehweg endet oder der Anschluss nur über eine unübersichtliche Kreuzung erreichbar ist, bleibt das Angebot unvollständig.

Einkaufen ohne Kofferraum

Der Einkauf ist die zweite harte Probe. Ein kleiner Einkauf lässt sich mit dem Fahrrad oder einem Rucksack problemlos erledigen. Schwieriger wird es bei Getränken, größeren Packungen oder dem Wocheneinkauf für eine Familie. Hier zeigen sich die Vorteile von Lieferdiensten, Lastenrädern, Abholstationen und gut erreichbaren Geschäften im Viertel.

Dabei geht es nicht darum, das Auto grundsätzlich schlechtzureden. Es gibt Situationen, in denen es praktisch oder notwendig ist. Die entscheidende Frage lautet eher: Muss man es für jeden Weg benutzen, weil die Alternativen fehlen?

Der Abend entscheidet

Tagsüber wirken viele Städte gut angebunden. Nach 20 Uhr verändert sich das Bild. Der Takt wird dünner, Anschlüsse werden unsicherer und auf dem Land fährt manchmal gar kein Bus mehr. Wer nach einem Konzert, einer Schicht oder einem Besuch bei Freunden nicht mehr nach Hause kommt, wird sein Auto beim nächsten Mal wahrscheinlich wieder nehmen.

Ein fairer Mobilitätstest sollte deshalb auch eine Abendfahrt enthalten. Nicht, um einzelne Fahrerinnen und Fahrer bloßzustellen, sondern um sichtbar zu machen, welche Menschen von der Infrastruktur ausgeschlossen werden: Jugendliche ohne Führerschein, ältere Personen, Menschen mit geringem Einkommen oder Beschäftigte mit ungewöhnlichen Arbeitszeiten.

Das Ergebnis ist keine Schulnote

Am Ende muss nicht „gut“ oder „schlecht“ stehen. Aussagekräftiger ist eine kleine Bilanz: drei Wege, drei Preise, drei Zeitaufwände und drei konkrete Verbesserungsvorschläge. So entsteht ein Artikel, der nicht nur kritisiert, sondern zeigt, wo eine Stadt bereits funktioniert und wo sie nachbessern könnte.

Ortsbeispiel Lindow: der Rufbus als Ergänzung

Im Raum Lindow in Brandenburg fährt seit Mai 2025 der Rufbus RUFUS. Das Angebot ist telefonisch oder digital buchbar und soll die Mobilität in einer ländlichen Region flexibler machen. Es ersetzt nicht automatisch jede Buslinie, kann aber dort ansetzen, wo ein regulärer Linienverkehr mit festen Zeiten kaum wirtschaftlich wäre. Informationen zum Rufbus RUFUS.

In Lindow lässt sich dieser Vergleich besonders gut nachvollziehen: Eine Strecke kann zunächst mit der regulären Verbindung geplant und anschließend mit dem Rufbus verglichen werden. Wie früh muss gebucht werden? Wie spontan kann man fahren? Und wird der Anschluss am Bahnhof tatsächlich besser? Erst solche Details zeigen, ob ein Mobilitätsangebot im Alltag ankommt.